Trotz wachsender Offenheit gegenüber den Kapitalmärkten bevorzugen die Deutschen ihr Erspartes weiterhin auf Sparbüchern, Festgeld- und Tagesgeldkonten anzulegen. Eine Ipsos-Umfrage mit mehr als 3.200 Befragten zeigt, dass diese konservativen Anlageformen trotz ihrer geringen Verzinsung dominieren. Nach Abzug der Inflation führt das in der Regel zu einem Verlust an Kaufkraft, da die Zinsen oft unter der Inflationsrate von rund 2-3 Prozent im Jahresdurchschnitt liegen.
Die Sparkultur ist tief verwurzelt: 75 Prozent der Deutschen vermeiden unnötige Ausgaben, um finanzielle Stabilität zu wahren. Nur 27 Prozent finden es befriedigender, Geld auszugeben, als es langfristig zu sparen. Diese Haltung spiegelt sich in der anhaltenden Vorsicht wider, selbst als die Inflation nachlässt.
Jüngere Generationen treiben den Wandel an
Der Anteil der Wertpapieranleger unter den Sparenden ist von 35 auf 40 Prozent gestiegen, seit der Vorgängerumfrage vor zwei Jahren. Dafür sorgt vor allem die Generation Z, die 18- bis 30-Jährigen, die zunehmend in Aktien und Fonds investiert. Diese Gruppe nennt finanzielle Unabhängigkeit als Top-Ziel mit 58,9 Prozent, gefolgt von Altersvorsorge bei 51,4 Prozent.
Gen Z fühlt sich hoffnungsvoller bezüglich ihrer Finanzen als ältere Generationen und lässt sich doppelt so häufig von Social Media beeinflussen. Rund 30,9 Prozent der Befragten sind mit ihrer finanziellen Situation zufrieden, während 30,2 Prozent Unsicherheit empfinden. Dennoch bleibt die Börsenbeteiligung insgesamt niedrig, mit nur etwa einem Drittel der Haushalte investierend.
Spargewohnheiten und Beratungsquellen
An Sparbemühungen mangelt es nicht: 43,7 Prozent der Deutschen legen regelmäßig Geld beiseite, 28,4 Prozent hin und wieder – insgesamt 72 Prozent, zwei Prozentpunkte mehr als zuvor. Diese Quote hält auch in schwächelnder Konjunktur stand, wo ein Drittel der Menschen Zweifel an ihrer finanziellen Zukunft hat. 74 Prozent sehen die Cost-of-Living-Krise als Mahnung, Finanzen besser zu managen.
Tipps holen sich die Menschen hauptsächlich bei Familie und Freunden (31,2 Prozent) sowie Bank- und Finanzberatern (29,7 Prozent). Letztere wurden im vergangenen Jahr jedoch nur von vier von fünf Befragten konsultiert. Beliebte Themen in der Finanzbildung sind Budgetierung, langfristiges Sparen und Investitionen, wie OECD-Studien betonen.