Marder unter Auto

Zu Marderbissen im Motorraum kommt es zwar rund ums Jahr, doch von April bis Juni sind die nachtaktiven Raubtiere besonders aggressiv. Nehmen sie dann in ihrem Revier die Duftmarken von Konkurrenten wahr, zerbeißen sie unbarmherzig die markierten Leitungen. Die Folgen können gefährlich und kostspielig sein.

Vor allem bei Elektroautos wird es kritisch: Hat ein Marder ein Hochvoltkabel beschädigt, muss häufig der komplette Kabelsatz erneuert werden. Die Reparaturkosten belaufen sich hier oft auf 2.500 bis 7.000 Euro allein für das Material, zuzüglich Einbaukosten von rund 1.000 Euro für Diagnosen und Sicherheitsprüfungen. Im Vergleich verursacht ein Biss an Zündkabeln oder Schläuchen bei Verbrennern durchschnittlich nur etwa 450 Euro Schaden.

Marder bevorzugen warme Motorraume, die sie als Unterschlupf nutzen, besonders bei steigenden Temperaturen im Frühjahr. In Deutschland sind bereits über eine Million Elektroautos im Umlauf, und Experten prognostizieren bis 2030 fast 11,5 Millionen – ein Trend, der das Risiko weiter steigert.

Steigende Schadenszahlen: Ein Millionenproblem für Versicherer

Die Zahl der kaskoversicherten Schadensfälle ist zuletzt nach Angaben des Gesamtverbands der Versicherer deutlich gestiegen: 2024 wurden mehr als eine Viertelmillion Marderbissschäden reguliert, ein Plus von 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hinzu kommt eine unbekannte Dunkelziffer unversicherter Fälle. Jährlich richten Marder Schäden in Höhe von rund 128 Millionen Euro an, wobei Elektrofahrzeuge mit ihrer Fülle an Kabeln zunehmend betroffen sind.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft meldet für 2023 bereits 235.000 Fälle, ein Anstieg von rund zehn Prozent gegenüber 2022. Steinmarder gelten als besonders schlau und finden oft Wege in den Motorraum, etwa über Radaufhängungen oder Faltenbalge. Die Kfz-Haftpflichtversicherung greift bei solchen Schäden nicht, nur Teil- oder Vollkasko bietet Schutz – allerdings sollten Policen genau geprüft werden, da nicht alle Folgeschäden abdecken.

Mit der wachsenden E-Mobilität drohen höhere Versicherungsprämien, da die Gesamtschadenssumme weiter ansteigt. In Werkstätten häufen sich Fälle mit mehreren pro Woche, was die Belastung für Autobesitzer verstärkt.

Effektiver Schutz: Früherkennung und Prävention

Zum Schutz empfiehlt es sich, regelmäßig den Motorraum auf Marderspuren zu checken. Dazu gehören Kot-oder Uringeruch, Bisskerben in Kabeln, Schläuchen oder Dämmstoff, Fellreste und Pfotenspuren. Zudem halten feinmaschige Drahtgitter unter dem Motor Marder fern, Extra-Ummantelungen können Kabel wappnen, und mit elektrischen Kontaktstellen lassen sich die Tiere vergrämen.

Diese Maßnahmen sind bei Elektroautos essenziell, da hohe Spannungen im Karosseriebereich lebensgefährlich werden können. Regelmäßige Inspektionen, besonders im Frühjahr, verhindern Eskalationen. Eine Teil- oder Vollkaskoversicherung schützt zusätzlich vor den hohen Kostenrisiken.

Langfristig könnte der zunehmende E-Auto-Bestand zu innovativen Schutztechnologien führen, doch derzeit bleibt Wachsamkeit der beste Verteidiger gegen diese bissigen Plagegeister.