Wohnungsmieter in Deutschland müssen Jahr für Jahr tiefer in die Tasche greifen. Der Wohnindex des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) vermeldet für das erste Quartal 2026 erneut Steigerungsraten deutlich über der allgemeinen Inflation. Besonders hart trifft es Neumieter in Düsseldorf mit 5,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, in Köln 5,7 Prozent und in Hamburg 5,1 Prozent.
Auch im „Speckgürtel“ rund um Metropolen ziehen die Mieten unvermindert an: Um die Top-7-Städte stiegen sie um 4,2 Prozent, im Umland der übrigen Großstädte um 3,9 Prozent. Deutschlandweit betrug die Mietpreiszunahme 3,5 Prozent. Experten sehen hier einen massiven Wohnungsmangel als Ursache, der durch ein Neubaudefizit von rund 215.000 Einheiten im Jahr 2026 verschärft wird.
Der durchschnittliche Angebotsmiete liegt bundesweit bei 9,15 Euro pro Quadratmeter, in München sogar bei 22,63 Euro für Neubauwohnungen. Selbst das Ruhrgebiet, lange ein Hort der Bezahlbarkeit, verzeichnet nun 8,30 Euro pro Quadratmeter, mit Prognosen von 10,10 Euro in Nordrhein-Westfalen.
Immobilienpreise mit moderatem Aufschwung
Weniger dynamisch entwickeln sich die Immobilien-Kaufpreise: Sowohl Wohnungen als auch Ein- und Zweifamilienhäuser verteuerten sich gegenüber dem Vorquartal lediglich um 0,1 Prozent. Auf Jahressicht legten die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 0,7 Prozent zu, die für Eigentumswohnungen um 2,5 Prozent. Im gesamtdeutschen Durchschnitt kostet eine Eigentumswohnung 3.484 Euro pro Quadratmeter, ein Ein- oder Zweifamilienhaus 3.038 Euro.
Branchenexperten prognostizieren für 2026 einen moderaten Anstieg von drei bis vier Prozent, getrieben durch hohe Baukosten und steigende Zinsen. In Top-Städten wie München erreichen Preise 7.500 Euro pro Quadratmeter, gefolgt von Berlin mit 5.120 Euro. Energieeffiziente Objekte in gefragten Lagen profitieren besonders von dieser Entwicklung.
Ein hohes Zinsniveau bremst den Markt, während explodierende Materialpreise – um 34 Prozent seit 2021 gestiegen – Neubauten verteuern. Trotz 1,7 Millionen leerstehender Wohnungen auf dem Land bleibt der Bedarf in Metropolen ungedeckt.
Ursachen und Ausblick für den Wohnmarkt
Die IW-Marktanalysten führen die Zahlen wesentlich auf das hohe Zinsniveau zurück. Zudem werden wenig energieeffiziente Gebäude immer häufiger mit einem Preisabschlag versehen. Für Indexmieten plant ein Gesetzentwurf eine Deckelung auf maximal 3,5 Prozent in angespannten Märkten, sowohl für neue als bestehende Verträge.
Hohe Baukosten, Lohnsteigerungen im Baugewerbe um 18 Prozent und ein wachsender Anteil von Einpersonenhaushalten bis 44 Prozent bis 2045 treiben die Preise weiter. Die Mietpreisbremse begrenzt Neuvermietungen auf maximal 10 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete. Dennoch droht der Markt zu erstarren, da Umzüge für viele unbezahlbar werden.
Baugenehmigungen steigen leicht, doch der Bedarf von 320.000 neuen Wohnungen jährlich bleibt unerfüllt. Prognosen sehen keine rasante Entspannung, sondern einen anhaltenden Aufwärtstrend.