Mir war lange nicht bewusst, wie groß die Lücke beim Schutz gegen Starkregen und Überschwemmung noch ist: Rund 41 Prozent der Wohngebäude in Deutschland haben keinen Elementarschutz. Das bedeutet, dass eine normale Wohngebäudeversicherung zwar oft für Sturm, Hagel, Brand oder Blitzschlag aufkommt, Schäden durch Starkregen, Überschwemmung oder Rückstau aber nicht automatisch abdeckt. Für Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer ist das besonders relevant, weil solche Schäden längst nicht nur in Flussnähe entstehen. Wenn die Kanalisation überlastet ist oder Wasser über Lichtschächte und Kellerabgänge eindringt, kann das schnell teuer werden.
Genau deshalb gilt Elementarschutz inzwischen als eine der wichtigsten Ergänzungen zur Wohngebäudeversicherung. Laut GDV beträgt der durchschnittliche versicherte Elementarschaden für 2025 rund 4.700 Euro. Andere Auswertungen zeigen sogar, dass schwere Naturereignisse deutlich höhere Summen verursachen können, wenn Keller, Böden, Technik oder die Gebäudestruktur betroffen sind. Mit dem Klimawandel steigen Häufigkeit und Intensität von Starkregenereignissen in vielen Regionen, wodurch auch bislang eher unauffällige Lagen riskanter werden.
Was die Police zusätzlich abdecken muss
Entscheidend ist der genaue Blick in den Vertrag: Elementarschutz ist meist ein zusätzlicher Baustein und nicht automatisch enthalten. Dazu zählen in der Regel Schäden durch Hochwasser, Überschwemmung, Rückstau, Erdrutsch, Erdbeben, Schneedruck oder Lawinen, wobei der Leistungsumfang je nach Tarif unterschiedlich ausfällt. Gerade Rückstau wird oft übersehen, obwohl er bei Starkregen besonders relevant ist, wenn Wasser aus dem Kanalnetz ins Haus gedrückt wird.
Auch die Kosten unterscheiden sich spürbar. Für ein Einfamilienhaus in normaler Lage und mit Keller liegt eine Standard-Wohngebäudeversicherung laut Verbraucherschutzorientierung häufig bei etwa 200 Euro jährlich, mit Elementarschutz kann sie je nach Anbieter auf 300 Euro und mehr steigen. Wie hoch die Prämie ausfällt, hängt unter anderem von Lage, Gebäudetyp, Baujahr, Nutzung, Versicherungsumfang und Selbstbeteiligung ab. Wer den Schutz prüft, sollte daher nicht nur auf den Preis schauen, sondern auch auf die Frage, ob Rückstau, Überschwemmung und andere Naturgefahren tatsächlich eingeschlossen sind.
Die Debatte über eine Pflichtlösung läuft weiter
Die Frage, wie Deutschland flächendeckend besser abgesichert werden kann, beschäftigt Politik und Versicherungswirtschaft seit Jahren. Der GDV spricht von einem Sicherungssystem, das privaten Versicherungsschutz gegen Naturgefahren auch künftig flächendeckend ermöglichen, Prävention stärken und den Staat nur dort einbinden soll, wo Extremereignisse das System überfordern würden. In der Branche wird dafür unter anderem über ein Modell mit Rückversicherung und Standard-Elementarschutz in neuen Wohngebäudepolicen diskutiert.
Im Raum stehen dabei auch politische Lösungen mit Opt-out-Modell und Übergangsfristen für bestehende Verträge. Für besonders gefährdete Gebäude, etwa in Hochrisikolagen, werden gedeckelte Prämien und staatliche Absicherung für Großschäden erwogen; in der Debatte ist dabei auch von einer zusätzlichen Umlage die Rede, die für ein typisches Haus nur wenige Euro pro Jahr betragen könnte. Unabhängig von der künftigen Regulierung bleibt der praktische Punkt derselbe: Wer wissen will, wie gut das eigene Haus geschützt ist, sollte den Vertrag jetzt prüfen, bevor das nächste Unwetter kommt.