Der Bundestag hat am 27. März 2026 das Altersvorsorgereformgesetz verabschiedet und damit das Ende der klassischen Riester-Rente eingeleitet. Ab 1. Januar 2027 ersetzt ein neues System die bisherige Förderung, die seit 2002 Millionen Deutscher nutzten. Die Riester-Rente, benannt nach dem damaligen Arbeitsminister Walter Riester, sollte die Lücke zwischen gesetzlicher Rente und tatsächlichem Bedarf schließen, litt jedoch unter hohen Kosten und geringen Renditen.

Hohe Abschluss- und Verwaltungskosten sowie die Pflicht zur 100-Prozent-Garantie der eingezahlten Beiträge machten die Produkte unattraktiv. Laut Schätzungen des Bundesfinanzministeriums haben rund 17 Millionen Verträge existiert, doch viele wurden gekündigt. Die neue Reform zielt darauf ab, private Vorsorge für alle zugänglicher zu machen, insbesondere für Geringverdiener und Selbstständige.

Die Abstimmung im Bundesrat steht am 8. Mai 2026 an, danach treten die Regelungen in Kraft. Union und SPD einigten sich auf Details, um die Vorsorge flexibler und renditestärker zu gestalten. Experten sehen darin einen lang überfälligen Schritt nach Jahren des Stillstands.

Neue Förderregeln: Höhere Zulagen und mehr Optionen

Im Kern bietet das neue System einen staatlichen Zuschuss von 50 Cent pro Euro bis zu 360 Euro jährlich, danach 25 Cent bis 1.800 Euro. Die maximale Grundzulage beträgt 540 Euro pro Jahr, was besonders Niedrigverdienern zugutekommt. Neu ist der Zugang auch für Selbstständige, die bisher oft ausgeschlossen waren.

Sparer können zwischen einer 100-Prozent-Beitragsgarantie, einer 80-Prozent-Variante oder einem renditeorientierten Altersvorsorgedepot ohne Garantien wählen. Letzteres erlaubt Investitionen in globale Aktien oder ETFs für höhere Renditechancen. Alle Produkte unterliegen einem Kostendeckel von 1 Prozent Effektivkosten, um teure Gebühren zu vermeiden.

Bestehende Riester-Verträge bleiben gültig und können weiter bespart werden. Ein Wechsel ins neue System ist ohne Rückzahlung der bisherigen Förderung möglich, wobei Wechselkosten gesetzlich gedeckelt sind. Verbände wie der GDV begrüßen die Kapitalmarktorientierung, kritisieren aber starre Garantiestufen.

Ausblick: Vorbereitung auf den Übergang

Ab Herbst 2026 sollen neue Produktkategorien auf den Markt kommen, darunter das flexible Altersvorsorgedepot. Kunden müssen aktiv angesprochen werden, um Wechselpotenziale zu prüfen. Finanzportale wie Finanztip melden, dass über 230.000 Menschen eine Initiative für noch niedrigere Kostendeckel von 0,5 Prozent unterzeichnet haben.

Die Reform adressiert Kritikpunkte der Riester-Rente, die trotz Zulagen und Steuervorteilen nur mäßige Beliebtheit erfuhr. In Ländern wie Schweden oder den Niederlanden haben ähnliche kapitalgedeckte Modelle seit über 20 Jahren höhere Renditen erzielt. In Deutschland könnte dies die private Vorsorgequote steigern, die derzeit bei unter 30 Prozent liegt.

Für Anbieter entsteht Handlungsbedarf: Produkte anpassen, Kunden informieren und auf den Start ab 2027 hinarbeiten. Die Einführung einer Frühstart-Rente für Kinder ab 2026 ergänzt die Maßnahmen langfristig. So soll eine breitere Altersvorsorge sichergestellt werden.