Ultra High Net Worth Individuals – kurz UHNWIs – sind die Spitze der globalen Vermögenspyramide. In der Finanzsprache bezeichnet dieser Begriff Menschen, die über mehr als 100 Millionen US-Dollar an Finanzvermögen verfügen. Immobilien bleiben dabei außen vor, berücksichtigt werden ausschließlich liquide und halb-liquide Werte: Aktien und Fondsanteile, Bar- und Kontoguthaben, Schuldverschreibungen sowie Pensionsansprüche. Entscheidend ist zudem, dass die 100-Millionen-Grenze pro Kopf überschritten wird; ein entsprechend hoher Familienbesitz allein reicht nicht, um in diese Kategorie zu fallen. UHNWIs bilden damit eine noch kleinere Untergruppe innerhalb der ohnehin schon vermögenden High Net Worth Individuals, für die international oft Schwellen von einer oder 30 Millionen US-Dollar an investierbarem Kapital herangezogen werden.

Superreiche in Deutschland: Wenige Menschen, enorme Finanzmacht

Nach Angaben des „BCG Global Wealth Report“ zählt Deutschland inzwischen rund 5.000 Personen zu den Ultra High Net Worth Individuals, ein Zuwachs von 1.100 gegenüber dem Vorjahr. Diese Superreichen verfügen über 27,3 Prozent des gesamten deutschen Finanzvermögens – ein Hinweis auf die starke Konzentration von Kapital in einer sehr kleinen Bevölkerungsgruppe. Insgesamt beläuft sich das Finanzvermögen der deutschen Privathaushalte auf rund 12,4 Billionen US-Dollar. Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich auf Rang vier, hinter den USA mit etwa 147 Billionen US-Dollar Finanzvermögen, China mit 41,5 Billionen US-Dollar und Japan mit 15,6 Billionen US-Dollar. Während die absolute Zahl der Superreichen vergleichsweise gering ist, wächst sie seit Jahren kontinuierlich. Globale Studien sprechen inzwischen von zehntausenden UHNWIs weltweit, deren Vermögen auch durch Kursgewinne an den Kapitalmärkten und Erbschaften weiter zunimmt.

Deutsches Vermögen: Viel Substanz, vergleichsweise wenig Aktien

Die Vermögensstruktur in Deutschland unterscheidet sich deutlich von einigen anderen großen Volkswirtschaften. Als eher vorsichtige Anleger halten die Bundesbürger vergleichsweise wenige Aktien und setzen stärker auf Sachwerte wie Immobilien oder Edelmetalle. Der Gesamtwert dieser Sachwerte wird von BCG auf 13,4 Billionen US-Dollar taxiert und macht damit mehr als die Hälfte des gesamten deutschen Vermögens aus. Das bedeutet: Ein Großteil des Wohlstands steckt in Wohn- und Gewerbeimmobilien, Gold, Silber und anderen physischen Werten, während kapitalmarktnahe Anlagen eine geringere Rolle spielen. International gelten solche Präferenzen als charakteristisch für Deutschland und andere kontinentaleuropäische Länder, in denen der Aktienmarkt im Privatvermögen lange eine Nebenrolle spielte. Angesichts anhaltender Diskussionen über Altersvorsorge, Inflation und Vermögensverteilung rückt die Frage nach der Balance zwischen Sachwerten und Finanzanlagen zunehmend in den Fokus wirtschaftspolitischer Debatten.