Mit der Reform der staatlich geförderten Altersvorsorge erhalten Riester-Sparer die Möglichkeit, in das neue Fördersystem zu wechseln. Für die rund 15 Millionen Riester-Verträge gilt jedoch Bestandsschutz, und genau das kann auf lange Sicht von Vorteil sein. Ein Wechsel sollte deshalb sorgfältig geprüft werden, denn wer einmal aus Riester aussteigt, kann nicht wieder zurück. Zugleich gibt es keine automatische Kündigung oder Umwandlung bestehender Verträge; die Entscheidung liegt also bei den Sparerinnen und Sparern selbst.
Besonders wichtig ist der Blick auf den Vertragstyp. Im Vergleich schneiden vor allem ältere Riester-Verträge mit hohem Garantiezins gut ab, weil sie noch von Bedingungen profitieren, die heute am Markt kaum noch zu bekommen sind. Für manche Haushalte ist das ein echter Sicherheitsvorteil, insbesondere wenn die Vertragskosten überschaubar geblieben sind. Das neue System soll zwar flexibler und renditestärker sein, doch für lang laufende Altverträge kann die bisherige Konstruktion weiterhin wirtschaftlich sinnvoller sein.
Ein Wechsel kurz vor Rentenbeginn lohnt sich in der Regel nicht mehr. In dieser Phase sind die verbleibenden Renditechancen oft zu gering, um mögliche Nachteile durch einen Systemwechsel auszugleichen. Wer bereits kurz vor der Auszahlungsphase steht, sollte daher besonders genau rechnen. Fachkundige, unabhängige Beratung ist in solchen Fällen sinnvoll, vor allem wenn bestehende Garantien, Abschlusskosten oder Rentenfaktoren zu berücksichtigen sind.
Warum Familien und jüngere Sparer profitieren können
Riester war schon bisher vor allem für Familien attraktiv, und das bleibt auch ein zentraler Punkt der Reform. Besonders profitieren Haushalte mit geringem Einkommen und mehreren Kindern, weil die staatliche Förderung dort prozentual und absolut stark ins Gewicht fällt. Für Kinder gibt es künftig eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr; die volle Zulage soll bereits bei einem monatlichen Sparbeitrag von 25 Euro gewährt werden. Die Grundzulage steigt auf bis zu 540 Euro jährlich.
Die Förderung wird künftig nicht mehr am Einkommen, sondern an den eingezahlten Beiträgen bemessen. Für jeden eingezahlten Euro bis 360 Euro gibt es 50 Cent, für weitere Beiträge bis 1.440 Euro 25 Cent je Euro; maximal werden 1.800 Euro pro Jahr gefördert. Zusätzlich gibt es einen einmaligen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro für alle, die vor dem 25. Geburtstag einen Vertrag abschließen. Damit rückt das neue System stärker auf frühe, kontinuierliche Vorsorge aus.
Interessant kann das neue System vor allem für jüngere Sparerinnen und Sparer mit langem Anlagehorizont sein, die mehr Kapitalmarktchancen nutzen wollen, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft betont. Ab 2027 sollen neue Produkte mit unterschiedlichen Garantieniveaus auf den Markt kommen, darunter auch Varianten mit 80 Prozent Beitragsgarantie oder ganz ohne volle Garantie. Die Reform zielt damit auf mehr Renditechancen, während gleichzeitig ein gewisser Schutz für sicherheitsorientierte Anleger erhalten bleibt.
Was das neue Fördersystem ab 2027 verändert
Die neue staatlich geförderte private Altersvorsorge soll zum 1. Januar 2027 starten. Geplant sind ein chancenorientiertes Altersvorsorgedepot, ein sicherheitsorientiertes Garantieprodukt und ein Standardprodukt mit klaren Kostenregeln. Beim Standardprodukt ist eine Kostenobergrenze von 1,0 Prozent pro Jahr vorgesehen. In der Auszahlungsphase sollen neben lebenslangen Renten auch Zeitrenten und ein Auszahlplan bis zum 85. Lebensjahr möglich sein.
Die Reform erweitert außerdem den Zugang: Künftig sollen auch Selbstständige und Mitglieder berufsständischer Versorgungseinrichtungen grundsätzlich Zugang zur Förderung erhalten. Für die Zulage ist ein Mindestbeitrag von 120 Euro pro Jahr vorgesehen, zugleich können bis zu 6.840 Euro in einen Altersvorsorgevertrag eingezahlt werden, ohne dass sich die Zulage darüber hinaus erhöht. Das System wird damit einfacher an die tatsächliche Sparleistung gekoppelt und weniger an komplizierte Einkommensgrenzen.
Für Riester-Sparer heißt das unterm Strich: Nicht jeder Wechsel ist automatisch sinnvoll. Wer einen gut verzinsten Altvertrag mit hoher Förderung und stabilen Konditionen besitzt, sollte ihn genau prüfen, bevor er auf das neue Modell umstellt. Wer dagegen jung ist, länger sparen kann und stärker auf Kapitalmarktchancen setzen möchte, findet im neuen System möglicherweise die passendere Struktur.