Pflegeleistungen in Deutschland verteuern sich deutlich schneller als die allgemeinen Lebenshaltungskosten, zuletzt um 9 Prozent auf Jahressicht. Der Eigenanteil bei vollstationärer Pflege liegt mittlerweile im Durchschnitt bei weit über 3.000 Euro monatlich. Diese Entwicklung trifft rund 4,88 Millionen Pflegebedürftige, deren Zahl seit 2021 um 7 Prozent gestiegen ist.

Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt nur einen Bruchteil der Kosten – oft als „Teilkaskoschutz“ bezeichnet. Bei stationärer Versorgung belief sich der Eigenanteil 2021 noch auf etwa 2.000 Euro, ist aber seither weiter angestiegen. Ein Drittel der Heimbewohner ist auf Sozialhilfe angewiesen, was das Armutsrisiko für Betroffene und Angehörige massiv erhöht.

Die Prognosen zeichnen ein düsteres Bild: Aufgrund der Alterung der Gesellschaft wird die Zahl der Pflegefälle weiter steigen. Gesundheitsökonomen warnen, dass Eigenanteile langfristig weiter wachsen, solange die gesetzliche Absicherung nur teilweise greift.

Private Pflegezusatzversicherung: Untergenutzte Rettung

Umso wichtiger ist die private Vorsorge, für die ein breites Angebot an privaten Pflegezusatzversicherungen bereitsteht. Dieses effektive Instrument zur Entschärfung eines beträchtlichen Kostenrisikos wird nach wie vor nur von einer Minderheit der Deutschen genutzt: Laut der Ratingagentur Franke und Bornberg haben nur 4,1 Millionen Menschen hierzulande eine Pflegezusatzpolice abgeschlossen, weniger als 5 Prozent der Bevölkerung also.

Mehr als drei Viertel der Deutschen (77 Prozent) gehen davon aus, dass die gesetzliche Pflegeversicherung nicht ausreicht, um alle Kosten zu decken. Dennoch fühlen sich über die Hälfte (56 Prozent) nicht ausreichend abgesichert. Experten wie Michael Franke erklären die Zurückhaltung mit Verdrängung: „Viele verdrängen das Risiko. Niemand denkt gerne daran, pflegebedürftig zu werden.“

Den Betroffenen werde häufig erst, wenn der Pflegefall eintrete, bewusst, welche Schutzlücke bestehe. Private Policen schließen diese Lücke, indem sie zusätzliche Leistungen bieten, die die gesetzliche Versicherung nicht erbringt.

Herausforderungen und Reformperspektiven

Dass sich angesichts leerer Sozialversicherungskassen mit der anstehenden Pflegereform maßgebliche Entlastungen für Pflegebedürftige realisieren lassen, glauben nur eingefleischte Optimisten. Versicherer kalkulieren Policen vorsichtig, da sie niemanden wegen Vorerkrankungen ablehnen dürfen, was zu höheren Beiträgen führt. Bei Pflegetagegeld-Verträgen ohne Beitragsfreistellung müssen Beiträge sogar im Pflegefall weitergezahlt werden, und Leistungen fließen frühestens nach fünf Jahren.

Trotz Nachteilen wie hohen Prämien lohnt sich eine private Ergänzung für viele, insbesondere da die Pandemie das Bewusstsein für Pflegerisiken vorübergehend verdrängt hat. Eine Vollversicherung könnte das Armutsrisiko senken, würde aber Beiträge für Privatversicherte um durchschnittlich 530 Euro jährlich erhöhen. Letztlich bleibt private Vorsorge essenziell, um finanzielle Katastrophen zu vermeiden.