Für viele Autofahrer kann der Wohnort im kommenden Versicherungsjahr eine größere Rolle spielen als bisher. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat die Regionalklassen für 2027 neu berechnet. Grundlage ist die Schadenbilanz der 413 deutschen Zulassungsbezirke über mehrere Jahre. Je nachdem, wie häufig und wie teuer Schäden in einer Region ausfallen, kann sich dadurch die regionale Einstufung in der Kfz-Versicherung verändern.
Die neue Statistik betrifft nicht alle Versicherten gleichermaßen. In der Kfz-Haftpflicht verbessert sich die Einstufung für rund 5,2 Millionen Autofahrer in 63 Bezirken. Für etwa 4,8 Millionen Menschen in 46 Bezirken geht es dagegen in eine höhere Klasse. In 304 Bezirken bleibt die Haftpflichtklasse unverändert; dort leben mehr als 32 Millionen Autofahrer. Auch in der Kaskoversicherung gibt es Bewegungen: Rund 2,4 Millionen Versicherte profitieren von einer besseren, etwa 2,4 Millionen von einer schlechteren Einstufung.
Regionalklasse ist nur ein Baustein
Eine bessere Regionalklasse bedeutet jedoch nicht automatisch, dass der gesamte Versicherungsbeitrag sinkt. Sie ist lediglich ein Faktor innerhalb der Beitragsberechnung. Hinzu kommen unter anderem das Fahrzeugmodell, die jährliche Fahrleistung, die Schadenfreiheitsklasse, der Umfang des Versicherungsschutzes und die allgemeine Preisentwicklung bei Reparaturen. Auch eine unveränderte Regionalklasse schließt deshalb eine Beitragsanpassung nicht aus.
Umgekehrt sollte eine höhere Einstufung nicht vorschnell als alleinige Erklärung für einen steigenden Beitrag verstanden werden. Versicherer kalkulieren ihre Tarife mit mehreren Merkmalen und können Kostenentwicklungen unterschiedlich weitergeben. Für die persönliche Rechnung ist daher entscheidend, wie sich alle Faktoren zusammen auswirken. Maßgeblich ist der konkrete Vertrag – nicht nur die regionale Kennziffer in der Statistik.
Beitragsrechnung sorgfältig prüfen
Die Änderung müssen Versicherte nicht selbst beantragen. Sie wird bei der nächsten Beitragsrechnung berücksichtigt. Trotzdem lohnt es sich, die Rechnung aufmerksam zu lesen und zu prüfen, ob sich Beitrag, Schadenfreiheitsklasse, Fahrzeugdaten oder Versicherungsumfang verändert haben. Wer einen höheren Preis feststellt, sollte außerdem kontrollieren, ob die vereinbarten Leistungen weiterhin zum eigenen Bedarf passen und ob sich Selbstbeteiligungen oder Tarifmerkmale geändert haben.
Ein Vergleich kann besonders dann sinnvoll sein, wenn der Beitrag spürbar steigt oder der Vertrag schon länger nicht überprüft wurde. Dabei sollte nicht nur der Jahresbeitrag zählen. Wichtig sind auch die Deckungssummen, der Schutz bei grober Fahrlässigkeit, Regelungen zur Werkstattbindung, Leistungen in der Kasko sowie mögliche Ausschlüsse. Ein günstigerer Tarif ist nur dann eine echte Verbesserung, wenn er im Schadenfall einen vergleichbaren oder für die eigene Situation passenden Schutz bietet.
Die neuen Regionalklassen sind damit vor allem ein Anlass für eine Bestandsaufnahme. Autofahrer sollten die nächste Beitragsrechnung abwarten, die einzelnen Positionen nachvollziehen und bei Bedarf mehrere Angebote mit identischen Leistungsannahmen vergleichen. So lässt sich besser einschätzen, ob eine Veränderung tatsächlich auf den Wohnort zurückgeht, ob andere Beitragsfaktoren ausschlaggebend sind und ob der bestehende Tarif noch zu Fahrzeug, Fahrleistung und gewünschtem Schutz passt.