In der Politik wird aktuell wieder intensiver darüber diskutiert, ob eine Elementarschadenversicherung gegen Starkregen und Hochwasser künftig für Hauseigentümer verpflichtend werden soll. Extremwetter führt zu immer höheren Schäden, und oft springt am Ende der Staat mit Soforthilfen ein. Der Bundesrat hat auf Initiative von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen beschlossen, dass die Bundesregierung ein entsprechendes Gesetz erarbeiten muss. Dies folgt auf jahrelange Debatten, da nur etwa die Hälfte aller Wohngebäude in Deutschland gegen Elementarschäden versichert ist.
Das Hochwasser im Ahrtal 2021 verursachte den höchsten je gemessenen Schadensdurchschnitt und belud Bund und Länder mit Milliardenkosten. Ähnlich devastierend wirkte sich das Erdbeben in der Türkei und Syrien aus, mit versicherten Schäden von 3,5 bis 4 Milliarden Euro laut Hannover Rück. Fehlender Versicherungsschutz kann existenzbedrohend sein und gefährdet zudem den Wirtschaftsstandort, da Versicherer in risikoreichen Gebieten zunehmend ablehnen, Policen auszustellen.
Was leistet der aktuelle Versicherungsschutz?
Schon heute deckt eine normale Wohngebäudeversicherung typischerweise Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel ab. Naturgefahren wie Überschwemmung oder Starkregen sind jedoch oft nur als zusätzlicher Baustein versichert, der gesondert abgeschlossen werden muss. Die Elementarschadenversicherung ergänzt Wohngebäude- oder Hausratversicherungen und schützt gegen Überschwemmungen, Erdbeben oder Schneedruck. Trotz hoher Absicherungsquote gegen Sturm und Hagel besteht eine erhebliche Lücke bei Überschwemmungen, wie Chefklimatologe Ernst Rauch von Munich Re betont.
Die CDU/CSU forderte im Bundestag eine Opt-out-Lösung: Im Neugeschäft soll Elementarschutz Standard sein und nur nach Belehrung abgewählt werden können, im Bestandsgeschäft zu einem Stichtag erweitert. Dieser Antrag wurde jedoch abgelehnt, da eine isolierte Pflichtversicherung im deutschen Zivilrecht als systemfremd gilt. Die Versicherungswirtschaft plädiert stattdessen für flächendeckenden, aber freiwilligen Opt-out-Schutz kombiniert mit Prävention.
Praktische Tipps für Eigentümer
Prüfen Sie jetzt, ob Ihr Wohngebäude- oder Hausratschutz Elementarschäden einschließt und ob die Versicherungssumme sowie Selbstbeteiligung zu Ihrer Immobilie passen. Wer in risikoreicheren Lagen wohnt, sollte auf Präventionsmaßnahmen achten, wie Rückstauklappen oder Schutz vor eindringendem Wasser, da diese Beiträge und Schadenrisiko senken können. Maßnahmen wie Versickerungsflächen, Dammerhöhungen oder Baustopps in Überschwemmungsgebieten werden zudem politisch gefordert. Eine öffentlich einsehbare Risikoanalyse könnte zukünftig helfen, Gefahren besser einzuschätzen.
Vorbilder wie der französische „Pool Catastrophes Naturelles“ oder die deutsche Extremus-Versicherung zeigen, dass solidarische Multirisiko-Modelle oder öffentlich-private Partnerschaften machbar sind. Die Debatte zielt darauf ab, deutlich mehr Gebäude mit Elementarschutz auszustatten und staatliche Soforthilfen zu reduzieren. Letztlich bleibt es eine Balance zwischen Pflicht, Freiwilligkeit und Prävention.