Mehrfamilienhaus erhält eine Holzbau-Aufstockung mit Kran und Gerüst, davor besprechen ein Eigentümerpaar und ein Architekt die Baupläne

Seit einem Jahr gilt der sogenannte Bau-Turbo. Die Regelung soll Bauvorhaben deutlich schneller möglich machen, etwa ein neues Haus auf einer Baulücke, die Aufstockung eines bestehenden Gebäudes oder den Umbau leerstehender Gewerbeflächen zu Wohnungen. Jetzt hat das Bundesbauministerium eine erste Bilanz gezogen, und die fällt in Teilen positiv aus.

Die Bilanz nach einem Jahr

Von Januar bis Juni 2026 wurden in rund 400 beteiligten Kommunen Vorhaben mit insgesamt 7.892 Wohnungen über den Bau-Turbo genehmigt. In 72 Prozent dieser Kommunen wurde bereits über entsprechende Anträge entschieden, mehr als die Hälfte davon wurde bewilligt. Der zentrale Vorteil: Gemeinden können Bauvorhaben laut Ministerium bis zu 20-mal schneller zustimmen als bisher, weil sie nicht erst aufwendig einen Bebauungsplan aufstellen oder ändern müssen. Ein solches Verfahren dauert sonst häufig mehrere Jahre.

Bemerkenswert ist auch, wo die neuen Wohnungen entstehen: Fast neun von zehn werden auf bereits genutzten Flächen gebaut, also durch Nachverdichtung, Aufstockung oder Umnutzung. Es wird damit vor allem vorhandener Raum besser genutzt, statt neue Flächen am Ortsrand zu versiegeln.

Kritik: Flickenteppich und hohe Kosten

Ganz ohne Schattenseiten ist der Bau-Turbo nicht. Die Regelung ist freiwillig, jede Gemeinde entscheidet selbst, ob sie ihn anwendet. Fachleute aus der Bauwirtschaft bemängeln deshalb einen „Flickenteppich“: Was in der einen Kommune schnell genehmigt wird, kann im Nachbarort weiterhin ein langes Verfahren erfordern. Zudem macht eine schnellere Genehmigung das Bauen nicht günstiger. Grundstücke, Baumaterial und Finanzierung bleiben teuer, und gerade die gestiegenen Bauzinsen belasten viele Vorhaben.

Was das für Sie bedeutet

Wenn Sie ein Grundstück besitzen oder ein bestehendes Gebäude erweitern, aufstocken oder umnutzen möchten, sollten Sie bei Ihrer Gemeinde nachfragen, ob sie den Bau-Turbo anwendet. Die Regelung gilt bis Ende 2030, es bleibt also noch Zeit, ein Vorhaben gut vorzubereiten. Gerade für Eigentümer, die zusätzlichen Wohnraum für Kinder, Eltern oder zur Vermietung schaffen möchten, kann sich das lohnen.

Wichtig ist, neben der Genehmigung auch die Finanzierung frühzeitig mitzudenken. Dazu gehören ein realistischer Kostenrahmen mit Puffer, die passende Zinsbindung und mögliche Fördermittel, etwa über die KfW. Auch die Absicherung während der Bauphase, zum Beispiel über eine Bauherrenhaftpflicht- und Bauleistungsversicherung, sollte rechtzeitig geklärt werden. Gerne unterstützen wir Sie dabei, Ihr Vorhaben solide zu finanzieren und abzusichern.