Viele, die 2026 eine Immobilie kaufen oder ein Haus bauen wollen, haben es zuletzt wieder gemerkt: Die Zinsen für Baufinanzierungen sind im März deutlich angezogen. Laut Dr. Klein sind die Bauzinsen in wenigen Wochen um rund 0,4 Prozentpunkte gestiegen; Anfang April lag der effektive Topzins für ein 10-jähriges Darlehen bei 3,69 Prozent. Diese Entwicklung hängt eng mit der anhaltend hohen Inflation zusammen, die die Europäische Zentralbank (EZB) kürzlich auf 2,6 Prozent für den Euro-Raum 2026 angehoben hat.

Die EZB hat am 19. März 2026 ihre Leitzinsen unverändert gelassen, mit einem Einlagenzins von 2,0 Prozent und einem Hauptrefinanzierungssatz von 2,15 Prozent. Der sprunghafte Anstieg der Renditen zehnjähriger Bundesanleihen im März, die zeitweise die 3-Prozent-Marke überschritten, hat die Banken zu höheren Konditionen veranlasst. Gleichzeitig bleibt das Wirtschaftswachstum im Euroraum verhalten bei nur 0,9 Prozent prognostiziert, was Zinssenkungen erschwert.

Was bedeutet das konkret für Käufer?

Schon kleine Zinsänderungen wirken sich direkt auf die monatliche Rate aus – und damit auf das, was man sich leisten kann. Wer gerade Angebote einholt, sollte daher nicht nur auf den Kaufpreis schauen, sondern die Finanzierung schnell mit realistischen Zinsannahmen durchrechnen lassen. Bei einem Darlehen von 300.000 Euro über 10 Jahre steigt die monatliche Rate durch einen Zinsanstieg von 3,3 auf 3,69 Prozent um etwa 70 Euro.

Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel liegt bei rund 2,3 Prozent, was den Preisdruck aufrechterhält und Banken vorsichtiger macht. Zudem beeinflussen zunehmende Staatsverschuldungen und Renditeerwartungen von Investoren die Konditionen. Käufer mit guter Bonität profitieren noch von Topzinsen unter 4 Prozent, doch der Wettbewerb unter Banken könnte sich durch geopolitische Unsicherheiten und Energiepreisschwankungen verringern.

Prognose: Schwankungen und Ausblick

Dr. Klein erwartet kurzfristig stärkere Schwankungen und sieht für zehnjährige Zinsbindungen einen Korridor von 3,3 Prozent bis 3,7 Prozent. ImmoScout24 berichtet ebenfalls von einer eher seitwärts gerichteten Entwicklung, allerdings rechnen viele Fachleute mittelfristig wieder mit einer Rückkehr Richtung 4 Prozent oder darüber. Die Deutsche Bank Research prognostiziert für 5- bis 10-jährige Hypothekenzinsen bis Jahresende knapp unter 4 Prozent, getrieben durch eine strukturelle Teuerungsrate über 2 Prozent.

Für Käufer heißt das: Wenn ein Objekt passt, kann es sinnvoll sein, sich das aktuelle Zinsniveau mit einer längeren Zinsbindung zu sichern – statt auf deutlich günstigere Zinsen zu warten. Die EZB steuert datenbasiert und könnte den Einlagenzins bis Mitte 2026 bei 2,0 Prozent halten, solange die Inflation nicht nachhaltig auf 2 Prozent sinkt. Langfristig deuten Prognosen wie die der Bundesbank für 10-jährige Bunds bei 2,4 Prozent auf stabile, aber nicht fallende Marktzinsen hin.